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Marie-Luise Knopp liest aus ihrem Buch auf Schloss Hoheneck „Eingesperrte Gefühle bahnen sich ihren Weg“

Erwartungsvoll stand Marie vor einem roten Backsteinbau. Eigentlich hätte ihr siebenjähriger Sohn längst draußen sein müssen. Endlich kam er ihr freudig entgegengelaufen. Marie umarmte ihn fest. Kai plapperte munter drauflos über Fußball, Diktat und vieles mehr. Aber Marie war mit ihren Gedanken woanders. Sie spürte etwas Drohendes … Der Start in die schlimmste Zeit ihres Lebens: Frauengefängnis Burg Hoheneck in der DDR wegen versuchter Republikflucht. In ihrem Buch beschreibt sie, wie es zu ihrer Inhaftierung kam und wichtige Momente ihrer Verurteilung und ihres Transports nach Schloss Hoheneck und Erinnerungsmomente an die Schrecken ihres Aufenthalts, aber auch an gewonnene Freundschaften etc.

Unter dem Trauma der gewaltsamen Trennung von ihrem Sohn und den Schikanen der Gefängniszeit leidet sie noch heute, 40 Jahre später. Doch Marie suchte und fand ihren Weg. Nach und nach musste sie jedoch feststellen, dass die Folgen ihres Gefängnisaufenthaltes ihr Leben bis heute prägen. Mithilfe ihres geschichtsbegeisterten 17-jährigen Enkels Marc stellt sie sich der Vergangenheit und folgt seinem Appell, ihre persönlichen Erlebnisse über diesen wichtigen Abschnitt deutsch-deutscher Geschichte als Zeitzeugin weiterzugeben.

Die Veranstaltung

Lesung am 25. März 2019 um 18.00 Uhr

Veranstaltungsort: Schloss Hoheneck,

Bistro Phänomenia, An der Stalburg 6/7, 09366 Stollberg

Der Eintritt ist frei.

Im Anschluss an die Lesung findet eine Führung mit Diskussionsmöglichkeiten durch den Zellentrakt statt.

 

Einführung und Moderation:

Dr. Nancy Aris (Stellv. Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur)

 

Die Autorin

Marie-Luise Knopp wurde 1942 in einem kleinen Ort der ehemaligen DDR geboren, 10 Jahre arbeitete sie als Deutsch- und Geschichtslehrerin in Leipzig. Wegen geplanter Republikflucht inhaftierte die DDR sie ein Jahr im Frauengefängnis Burg Hoheneck. Nach dem Freikauf arbeitete sie 30 Jahre als Lehrerin an einer Förderschule, davon 20 Jahre in der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie der Rheinischen Landes- und Hochschulklinik. Sie absolvierte ein Zusatzstudium mit dem Abschluss Individualpsychologische Beraterin (DGIP). Ihr Interessenschwerpunkt war die Arbeit mit psychisch kranken Kindern. Hier führten mehrere Schreibprojekte zu Büchern und Lesereisen mit den Kindern und Jugendlichen quer durch Deutschland.