Hoheneck: Ein historischer Ort mit über 150 Jahren Geschichte.

Es begann mit dem Schloss Hoheneck, das zum Gefängnis wurde – und es für mehrere Jahrhunderte blieb. Die Gedenkstätte Hoheneck rückt die Zeit der DDR-Geschichte in den Blickpunkt. Für ein ganzheitliches Bild wird die Vorgeschichte mit Beginn der ersten Aufzeichnungen chronologisch dargestellt.

Bevor das Gefängnis gebaut wurde …

Aufzeichnungen zufolge befand sich im 13. Jahrhundert am heutigen Standpunkt ein Schloss, welches dem Besitztum von Erkenbert von Staleburgk angehörte. Vermutungen legen nahe, dass die Namensgebung der Stadt „Stollberg“ aus dem Namen des ehemaligen Schlossbesitzers „Staleburgk“ hervorging.

1564 kaufte der sächsische Kurfürst August I.jenes Anwesen und baute es als Jagdschlossaus. Eine hohe, mit Zinnen gekrönte Mauer umgab das Anwesen. Spezifisch war ebenso der davor befindliche Wallgraben. Noch etwa 20 Jahre fungierte das Schloss als Ort für Jagdfeste.

In den Folgejahren ist das Anwesen mehrfach dem Verfall ausgesetzt: etwa durch den Brand im Uhrenturm 1602, der große Teile des Turmes zerstörte sowie die Wirren des Dreißigjährigen Krieges, die dem Gebäude ebenso zusetzten. Auch im Laufe des 18. Jahrhunderts verfiel das Schloss zusehends. Erst 1812 begann auf diesem Areal der Bau eines neuen Amtshauses, das schließlich über 44 Jahre als Rentamt und Justizamt fungierte. Der Eckturm mag im 18. Jahrhundert dem Schloss den Namen „Hoheneck“ gegeben haben.

Burg Hoheneck

Kaiserreich und Weimarer Republik

1862 wurde das alte „Schloss“ abgetragen und an dieser Stelle ein Frauengefängnis errichtet. Auf dem Areal des verfallenen Schlosses Hoheneck wird ein Gefängnis errichtet, das zunächst nur aus dem West- und Nordflügel besteht.

Im Dezember 1864 trafen die ersten Häftlinge ein. 44 Frauen in Begleitung von Aufsehern wurden aus der Hubertusburg nach Hoheneck gebracht. Die Frauen waren wegen Eigentumsdelikten, Betrug, Meineid, Kindstötung, Mord- und Mordversuch, Unzucht und Brandstiftung verurteilt. 11 Jahre später befanden sich bereits 250 Insassen in diesem Gefängnis. 1886 wurden die inhaftierten Frauen von Hoheneck nach Waldheim verlegt.

Der Ostflügel (Innenverwaltung), Südflügel (Zellentrakt) und das Wirtschaftsgebäude mit Krankenhaus werden gebaut. Das Gefängnis verfügt über eine Belegfähigkeit von ca. 600 Insassen.

Aufzeichnungen zufolge wurde das vorherige Weiberzuchthaus Hoheneck ab 1889 als Strafgefängnis für Männer genutzt. Der Erweiterungsbau für das Männergefängnis ist in der ursprünglichen Fassung weitestgehend erhalten geblieben.
Seit dem Jahr 1889 wurde der Standort in Hoheneck als Gefängnis für Männer genutzt.

Gegen Ende des Ersten Weltkrieges wurde ein Reservelazarett im Strafgefängnis Hoheneck eingerichtet.

Das Gefängnis in Hoheneck wurde Aufzeichnungen zufolge ab 1920 als sächsische Strafanstalt für Männer genutzt. Die Männer waren vorwiegend wegen Eigentumsvergehen – Diebstahl, Unterschlagung und Urkundenfälschung – verurteilt, in wenigen Fällen wegen Sittlichkeitsverbrechen oder Verbrechen gegen die Autorität der Obrigkeit.

Zeit des Nationalsozialismus

Die Gefangenen waren in der Zeit des Nationalsozialismus katastrophalen Haftbedingungen und harter Arbeit ausgesetzt. Als Arbeitskraft wurden Sie in anstaltseigenen Betrieben, aber auch für Tätigkeiten anderer Firmen und Außenkommandos eingesetzt. Verurteilt waren die Männer vor allem wegen Eigentumsvergehen wie Diebstahl, Betrug und Unterschlagung; aber auch wegen Sittlichkeitsverbrechen, Körperverletzung und Raub. In Zusammenhang mit der Euthanasie wurden in Hoheneck nachweislich 35 Zwangssterilisationen an Gefangenen vorgenommen.

Das Männergefängnis wurde auch für die „Schutzhaft“ nach der Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ vom 28.2.1933 genutzt. Alfred Kempe, KPD-Vorsitzender von Stollberg und Stadtrat, zählte zu jenen, die kurzzeitig im Gefängnis Hoheneck in Schutzhaft kamen. Nach mehrfachen Inhaftierungen in anderen Orten wurde er im Februar 1945 im KZ Dachau ermordet.

Der Standort in Hoheneck wurde in der NS-Zeit ab 1939 als Haftanstalt für männliche Jugendliche genutzt. Der Haftalltag war besonders durch die Kriegssituation geprägt. So wurden Gefangene auch für die Beseitigung von Trümmerschäden oder für die kriegswichtige Produktion herangezogen, wobei Arbeitsunwillige entsprechend Anweisung des Reichsjustizministers harten Strafen ausgesetzt waren.

Sowjetische Besatzungszone

In Hoheneck sind Frauen und Männer inhaftiert, die von deutschen Gerichten nach dem Kontrollratsgesetz Nr. 10 von 1945 und der Kontrollratsdirektive Nr. 38 von 1946 verurteilt worden sind. Im August 1947 wurde den deutschen Verwaltungen des Innern und der Justiz mit dem SMAD-Befehl Nr. 201 die „restliche Entnazifizierung“ übertragen. Die Haftbedingungen in Hoheneck waren schlecht. Es gab wenig Essen, mangelhafte Kleidung und zu wenig Arbeit, was zu Reibereien unter den Gefangenen führte.

DDR-Zeit

Schicksale & Haftbedingungen in der Zeit der DDR

Viele der Frauen in Hoheneck, aber auch in anderen Gefängnissen des DDR-Staates, waren durch das Sowjetische Militärtribunal (SMT) aufgrund von Spionageverdacht, antisowjetischer Propaganda oder Beihilfe zum Landesverrat verurteilt. Banal erscheinende Äußerungen und Handlungen wurden als Delikt geahndet und hart bestraft. Die Verurteilung der Frauen durch DDR-Gerichte erfolgten in hohem Maße wegen Republikflucht und Ausreisewilligkeit, aber auch wegen Regimekritik. Dieser Umstand verdeutlicht, wie verheerend Fluchtbestrebungen, freie Meinungsäußerung oder auch Kritik in der Zeit der DDR enden konnte. Dies erklärt vermutlich auch den verhältnismäßig hohen Anteil von politisch Inhaftierten in Hoheneck, der bis zu 40 Prozent reichte. Den verbleibenden Teil bildeten Kriminelle.

Die inhaftierten Frauen in Hoheneck wurden häufig der Zwangsarbeit ausgesetzt. Sie arbeiteten vor allem in der Textilbranche. In der Zentralwerkstatt (ZW), einem eigenständigen Betrieb des Ministeriums des Innern (MDI), stellten Gefangene Häftlingskleidung für Hoheneck und andere Haftanstalten her. VEB Planet Eppendorf ließ von Häftlingen Bettwäsche herstellen und ESDA Thalheim Strumpfhosen. Die produzierte Ware wurde vorwiegend für den Westexport bestimmt.

Zeitweise fertigten Inhaftierte für ELMO Grünhain Elektromotoren, Plastikwaren für VEB Plasticart Annaberg. In den 1960ern wurde die Zwangsarbeit weiter vorangetrieben durch den Einbau des Lastenaufzugs sowie der Errichtung der Lagerhalle und -rampe. Bis Mitte der 1970er Jahre wurden die Außenarbeitskommandos in der Landwirtschaft oder wie beispielsweise von ESDA Thalheim und Wäscheunion Gablenz schließlich eingestellt.

Bereits in den 1950er Jahren wurden inhaftierte Frauen in Hoheneck bei Verstoßen gegen die Gefängnisregeln mit „Kellerkarzer“ bestraft.  Dabei handelte es sich um Dunkelzellen im Keller, welche als eine Form der Bestrafung genutzt wurden. 

Ob es Wasserzellen in Hoheneck gab, ist umstritten. Ehemalige Häftlinge berichten jedoch von einer Wasserzelle im Frauengefängnis Hoheneck, in der Inhaftierte zur Bestrafung durch das Regime eingesperrt wurden. 

Das Gefängnis in der Zeit der DDR

Mitte des 20. Jahrhunderts finden sich die Anfänge des Frauengefängnisses Hoheneck als zentrale Frauenhaftanstalt der DDR. Mit Beginn der DDR-Zeit 1949 wurden nach langer Zeit wieder weibliche Gefangene in Hoheneck untergebracht. Von zentraler Bedeutung war der 1. Februar 1950. Zu diesem Zeitpunkt übernahm das Ministerium des Innern der DDR das Gefängnis. Hier liegt der Beginn des größten und berüchtigsten Frauengefängnisses der DDR.

Am 12. Februar 1950 wurden 1.211 Frauen nach Hoheneck gebracht. Die Frauen waren bereits von der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) verurteilt und in sowjetischen Speziallagern interniert worden. Wer von der SMAD verurteilt wurde, erhielt meist hohe Haftstrafen, nicht selten bis zu 25 Jahre.

Zwei Monate nach der Ankunft der Frauen wurde den Müttern eine Untersuchung ihrer Kinder vorgetäuscht und deren Kinder ins Kinderheim gebracht. Von der Gesamtzahl der inhaftierten Frauen hatte ungefähr die Hälfte von ihnen bereits Kinder, die sie zurücklassen mussten. Im Hohenecker Gefängnis wurden auch Kinder geboren. In der gesamten Zeit der DDR waren die inhaftierten Mütter von ihren Kindern während der Haftzeit getrennt. Die Kinder verblieben im Kinderheim, bei Angehörigen oder wurden zwangsadoptiert. Die Frauen mussten oft mit dem schweren Schicksal kämpfen, nicht zu wissen, ob sie ihre Kinder jemals wiedersehen werden.

Am Standort in Hoheneck wurde um 1951/1952 ein Kulturhaus und Garagenkomplexe errichtet.

Wenige Monate nach dem Volksaufstand in der DDR, im Oktober 1953, kam es zu einem dreitätigen Hungerstreik, an dem sich über 1000 Frauen beteiligten. Die Frauen wollten damit die Überprüfung ihrer Urteile durch eine deutsch-sowjetische Kommission erwirken. Im Januar 1954 kamen 680 SMAD-Verurteilte durch eine Teilamnestie frei, durch die zwei Jahre später erfolgte Amnestie nochmals rund 240.

Jugendliche Strafgefangene wurden aus dem Haftarbeitslager Himmelmühle sowie aus dem Jugendhaus Hohenleuben nach Hoheneck überführt. Ab 1974 bestand für Inhaftierte die Möglichkeit, den 8.-Klassen-Abschluss sowie einen Teilfacharbeiterabschluss zu erwerben.

Zur zusätzlichen Absicherung des Gefängnisses wurde 1969/70 ein Hundelauf außerhalb der Umwehrungsmauer eingerichtet.

In einem Teil des Erdgeschosses im Südflügel wurden verschiedene Arrestzellen eingerichtet. Darunter befinden sich drei Zellen mit einer zusätzlichen Vergitterung in der Zelle – dem sogenannten Tigerkäfig sowie eine Dunkelzelle.

Zur Strafvollzugseinrichtung Hoheneck gehörte zur damaligen Zeit das Standkommando Freiberg, das für ca. 120 Insassen konzipiert war. Weitere politische Häftlinge waren an diesem Standort inhaftiert.

Obwohl ein neues Strafvollzugsgesetz, das bessere Haftbedingungen veranlassen sollte, verabschiedet wurde, blieben der militärische Drill und der erniedrigende „sozialistische Strafvollzug“ in den überfüllten Zellen von Hoheneck bestehen.

Zwischen dem Ostflügel (Innenverwaltung) und dem Südflügel (Zellentrakt) wird eine Personenschleuse gebaut. Zwei Rolltore verhindern die Sicht zwischen Innenhof und Außenring.

Im Dachgeschoss des Südflügels entstand ein Kultur- und Freizeitzentrum eingerichtet. Unter Umständen hatten Inhaftierte die Möglichkeit, in diesen Räumen Handarbeiten zu erledigen, Musik zu hören oder sich künstlerisch zu betätigen.

1989 kam es erneut zum Hungerstreik der Gefangenen. Auch die Arbeitsverweigerung galt als Zeichen des Protests der inhaftierten Frauen. Einige Inhaftierte verweigerten die Arbeit, besetzten kurzzeitig den Dachboden des Gefängnisses und begaben sich in den Hungerstreik. Damit wollten sie bessere Haftbedingungen sowie eine Generalamnestie erwirken.

Hoheneck vergittertes Schloss

1990-2001 Justizvollzugsanstalt (JVA)

1990 war Hoheneck nunmehr einzige Frauenhaftanstalt im Freistaat Sachsen. In der Justizvollzugsanstalt Hoheneck wurde Untersuchungs- und Abschiebehaft sowie Jugendarrest vollzogen. Die JVA verfügt über offenen Vollzug und eine Mutter-Kind-Station.

Die JVA Hoheneck ist ab 1994 von Frauen und Männern belegt.

Im April 2001 erfolgte die endgültige Schließung der JVA im Stollberger Ortsteil Hoheneck.

Der Weg zur Gedenkstätte

Vor der ehemaligen JVA Hoheneck erfolgt die Enthüllung eines Gedenksteins für die Opfer politischer Haft in der Zeit der DDR.

Von 2003-2013 verfügt die Artemis GmbH über das Areal des ehemaligen Frauengefängnisses in Hoheneck.

Seit 2014 unterliegt das ehemalige Gefängnis Hoheneck dem Eigentum der Stadt Stollberg. Seither fördert diese den Ausbau der Gedenkstätte Hoheneck. Künftig wird eine Dauerausstellung am historischen Standort eingerichtet. Aktuell kann die Gedenkstätte im Rahmen von Führungen besichtigt werden.